Meine Sommer-Tour des Jahres 2021

Diese abwechslungsreiche Zwei-Täler-Bergwandertour durch das Allgäuer Dietersbachtal und das Oytal nahe Oberstdorf ist eine wahre Genusswanderung für Einkehr-Liebhaber mit einem optionalen rasanten Abschluss.

Die Tour besticht durch zahlreiche landschaftliche, kulinarische sowie kulturelle Höhepunkte. Bereits im ersten Drittel der Tour begleitet uns der wilde und tosende Hölltobel, wie der letzte Steilabschnitt des Dietersbachs genannt wird, bevor er aus dem gleichnamigen Tal in die Trettach im Trettachtal mündet. Im oberen Teil des Hölltobels werden wir für unsere Mühen mit einem riesigen Wasserfall belohnt, den wir von einer sicheren künstlichen Aussichtsplattform bewundern dürfen. Wenig später weitet sich die Landschaft und wir durchwandern gleich zwei weitere malerische Täler. Dabei eröffnen sich uns immer wieder wunderbare Ausblicke auf die Allgäuer Bergwelt, unter anderem auf die markanten Zacken der „Höfats“, die wir während unserer Tour quasi umwandern. Der Übergang vom Dietersbachtal in das Oytal über den Älpelesattel erweist sich dabei als recht grantig und wird dem Begriff der Bergwanderung dann auch wahrlich gerecht. Mit dem Erreichen des Älpelesattels wird uns schnell bewusst, dass Gipfelbesteigungen gar nicht immer nötig sind, um grandiose Aussichten zu genießen, so herrlich ist das Panorama von hier oben. Beim vergleichsweise zahmen Abstieg zur Käseralpe durchwandern wir ein Murmeltiergebiet, wo wir mit etwas Glück einige dieser laut pfeifenden Gesellen zu Gesicht bekommen. Auf dem Rückweg durch das Oytal passieren wir den eindrucksvollen und donnernden Stuibenwasserfall, dessen Gischt unsere Körper je nach Wassermenge noch etliche Meter entfernt besprüht, was bei heißen Temperaturen für eine angenehme Erfrischung sorgt. Wenn nach rund 18 tagfüllenden Kilometern der Berggasthof Oytalhaus erreicht wird, sollte man sich den Spaß nicht entgehen lassen und für Sieben Euro (Stand 08/2021) mit einem Leihroller die letzten fünfeinhalb Kilometer kräfteschonend abwärts zurückrollern.

Charakter/Schwierigkeit: Bergwanderung/mittelschwer (rot)

Strecke: 17,6 Kilometer

Nettogehzeit: 6 Stunden

Auf-/Abstieg: 954 m/778 m

Wegbeschreibung

Vom Parkplatz an der Oybele-Festhalle nahe der Nebelhornbahn-Talstation in Oberstdorf wandern wir ortsauswärts bzw. südwärts immer linksseitig der Trettach in Richtung Spielmannsau (ausgeschildert). Die nach etwa zwei Kilometern erreichte Abzweigung ins Oytal lassen wir hierbei sprichwörtlich links liegen und halten uns weiterhin südlich. Auch den linksseitigen „Normal- bzw. Winterweg“ zur historischen Alpsiedlung Gerstruben passieren wir zunächst noch und richten uns nach den Wegweisern zum Hölltobel. 250 Meter hinter einer kleinen Ansiedlung zweigt nach insgesamt rund einer Stunde links der schmale Pfad zum Hölltobel ab, der uns pfeilgerade über eine Wiese auf den Wald zuführt. Das Rauschen des Dietersbachs ist nun deutlich vernehmbar. Auf einem wurzelig-felsigem Waldweg geht es nun teils in Serpentinen recht steil und stellenweise rutschig aufwärts. Gefährliche Bereiche sind durch Geländer gesichert, dennoch sollte mit Bedacht getreten werden. Wir passieren drei Beobachtungspunkte bzw. Aussichtsplattformen, an denen wir die tosenden Wassermassen in der unter uns befindlichen Klamm aus respektabler Höhe bewundern können (Beobachtungspunkt 1/Brücke über der Klamm mit Stand August 2021 gesperrt). Kurze Zeit nach dem eindrucksvollen Wasserfall wird das Ende des Hölltobels durch den kleinen geteerten Fahrweg markiert, auf den wir nach etwa 20 bis 30 Minuten Aufstieg treffen. Hier biegen wir rechts ab und folgen dem für den öffentlichen Kfz.-Verkehr gesperrten Sträßchen und erreichen sogleich die historische Alpsiedlung mit fünf aus dem 17./18. Jahrhundert stammenden Bauernhäusern sowie den Berggasthof Gerstruben. Weiter geht es auf einem gut begehbaren breiten Schotterweg hinein in das Dietersbachtal, eingerahmt von den schroffen Spitzen der Höfats und den Kegelköpfen. Das malerische Talende mit der Dietersbachalpe (1325 m) ist nach insgesamt rund zweieinhalb Stunden erreicht. Weithin sichtbar stürzt südöstlich der Alpe aus den namenlosen Steilwänden ein riesiger Wasserfall, dessen Wasserlauf den späteren Dietersbach bildet. Die kleine idyllische Alpe lädt zu einer stärkenden Rast ein, bevor wir uns auf den recht anstrengenden Weg über den Älpelesattel machen wollen. Die auf dem Wegweiser angegebenen anderthalb Stunden für die 455 Höhenmeter (rot) bis zum Sattel wirken hierbei fast ein wenig abschreckend, jedoch lohnen sich die Strapazen allemal. Das Panorama, das sich uns bietet, ist einfach nur wunderbar. Aber vorher ist erstmal Konzentration angesagt, weil der wurzelig-felsige Steig auf einem bewachsenen Gratabschnitt an einigen Stellen dicht an sehr steilen Wiesenhängen entlang führt (Vorsicht bei Nässe). Erst im letzten Drittel wird der Steig zunehmend sanfter und die Landschaft offener.

Tipp für den Monat August: Wer die Zeit mitbringen möchte, kann sich kurz vor dem Erreichen des Sattels linksseitig in den Hängen mit Blaubeeren regelrecht satt essen.

Der Abstieg in das Hochtal der Käseralpe (1402 m) verläuft wesentlich zahmer und führt uns teilweise auf einem fast zugewachsenem Steig abwärts, manchmal müssen wir die hohen Sträucher und Blumen gar sanft beiseite schieben, um uns unseren Weg zu bahnen. Es entsteht der Eindruck, als ob der Steig gar nicht allzu oft begangen wird. Wir durchqueren mehrere Wasserläufe (unschwierig) und weiter unten schreiten wir durch ein typisches Murmeltiergebiet, von dem aus es nicht mehr weit zur Alpe ist. Das laute Pfeifen der Tiere ist oftmals hörbar und mit etwas Glück bekommen wir sie auch zu Gesicht. Beim Ausschauhalten nach Murmeltieren ist uns ein ganz anderer unerwarteter Glücksmoment zuteil geworden, weil wir keine zehn Meter von uns entfernt plötzlich ein neugieriges Hermelin entdeckt haben, was sich minutenlang präsentierte und umherquirlte.

Ab der Käseralpe geht es auf teils geteertem, teils geschotterten Weg unschwierig talwärts. Aufgrund der leichten Erreichbarkeit der Käseralpe herrscht im Oytal an schönen Tagen ein ziemlicher Wander- und (Elektro)Fahrradbetrieb, was der Schönheit der Landschaft aber keinen Abbruch tut. Der Weg ist breit genug, damit sich Wanderer und Radfahrer gemäß der Allgäuer Kampagne „Zämed duss“ (Zusammen bzw. gemeinsam draußen) entspannt und konfliktfrei bewegen können. Nach nur einer Viertelstunde Abstieg von der Käseralpe bewundern wir die donnernden Wassermassen des Stuibenfalls (1259 m) und nach einer weiteren knappen halben Stunde haben wir eine vorletzte Einkehrmöglichkeit in der Unteren Gutenalpe (1048 m). Von hier sind es jetzt abermals etwa 30 Minuten zum Berggasthof Oytalhaus (1006 m), der zwar den Endpunkt der Wanderung, jedoch nicht der Gesamttour bedeutet. Denn hier wartet ein besonderer Höhepunkt auf unsere mittlerweile etwas ermüdeten Beine. Es besteht die Möglichkeit, sich direkt beim Gasthof täglich ab 15.00 Uhr gegen eine Gebühr einen „Oytal Roller“ zu leihen (für alle Altersklassen) und mit diesem auf dem geteerten Fahrweg die letzten fünfeinhalb Kilometer entspannt talwärts zu rollern. Abgegeben wird dieser dann samt optionalem Helm hinter dem Eissportzentrum (ausgeschildert) nahe der Nebelhorn-Talstation. Man braucht auch keine Sorge zu haben, keinen Roller mehr abzubekommen, weil diese regelmäßig wieder aus Oberstdorf zum Gasthof zurückbefördert werden. Lediglich Gruppen mit mehr als 15 Personen sollten vorher anrufen und anfragen (08322/80381).

Detaillierte Informationen gibt es hier

Meine Sommer-Tour des Jahres 2020

Wunderbare Tour zu den von eindrucksvollen Felswänden eingerahmten glasklaren und smaragdgrünen Bergseen Drachensee und Seebensee im Mieminger Gebirge der Tiroler Zugspitzarena 

Diese Bergwanderung ist ein wahres landschaftliches Feuerwerk in hochalpiner Umgebung. Sie ist technisch zu keiner Zeit besonders schwierig, verlangt jedoch aufgrund der Länge und der zu bewältigenden Höhenmeter eine solide Grundkondition. Wie grüne Juwelen leuchten die vier Gebirgsseen Brendl(i)see, Drachensee, Seebensee sowie der kleine namenlose Bruder des Drachensees im Sonnenlicht – eine wahre Augenweide. Dabei sind sie eingebettet in eine wilde Felsszenerie mit eindrucksvollen Gipfeln und gewaltigen Karen. Auch wenn keiner der Gipfel bestiegen wird, eröffnen sich dem Wanderer immer wieder wunderbare Aussichten auf das Zugspitzmassiv oder aber auf die schroffen Felsen des Mieminger Gebirges. Während die Tour durch das Brendlikar bis zum Bereich am Hinteren Taja-Törl relativ ruhig verläuft, dürfen wir an schönen Tagen insbesondere an Wochenenden rund um den Drachensee und am Seebensee keine Einsamkeit erwarten. Die gute Erreichbarkeit dank der Ehrwalder Almbahn und aufgrund leichter Wege mit der Aussicht auf urige Einkehrmöglichkeiten in der Coburger Hütte sowie in der Seebenalm sorgen für ordentlichen Zulauf. Kein Wunder, zählt diese Bergwanderung doch zu den landschaftlichen Paradetouren mit einer großartigen Bergkulisse.

Lust auf mehr bekommen? Hier geht es zum ausführlichen Tourenbericht:

https://www.alpenvereinaktiv.com/de/tour/drachensee-coburger-huette-seebensee-ueber-brendlikar/53603420/

Schwierigkeitsbewertungen von Wander- und Bergtouren – eine verantwortungsvolle Gratwanderung

Die stetig fortschreitende und nicht mehr wegzudenkende Digitalisierung eröffnet auf dem Gebiet der Internet-Tourenportale enorme Möglichkeiten. Schnell abrufbare Tourenvorschläge mit deren Beschreibungen, ständig verbessertes Online-Kartenmaterial, insbesondere die Bereitstellung von Alpenvereinskarten, speziellen Winterkarten mit Hangneigungen und regelmäßig aktualisierten Lawinengefahrenbereichen u. v. m. erleichtern und optimieren heuer die eigene Tourenplanung. Im Zeitalter, in dem nahezu überall WLAN oder mobiles Internet verfügbar ist, kann mühelos via Smartphone und entsprechender App  geplant werden. Selbstverständlich können diese Portale nur existieren, wenn von den überwiegend ehrenamtlich tätigen Personen genug Futter in Form von Touren geliefert wird.

Dabei stellt die Schwierigkeitsbewertung von Wanderungen und Bergtouren für die Bewertenden eine große Herausforderung dar und bedingt ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Schließlich müssen die Nutzenden (neudeutsch User oder Community), also die Begeher/innen darauf vertrauen können und im Vorfeld ihre eigenen Fähigkeiten mit der bewerteten Tour abgleichen. Sie kaufen die sprichwörtliche „Katze im Sack“.

Ähnlich ergeht es uns Wanderleitern und  Fachübungsleitern für das Bergwandern, wenn wir im Jahresprogramm unseres Vereins Touren anbieten.

Als offizieller Autor des DAV-Tourenportals www.alpenvereinaktiv.com (*) und Touren anbietender Wanderleiter stehe ich des Öfteren vor der Entscheidung, eine Tour als leicht, mittelschwer oder schwer einzustufen. Das ist manchmal keine leichte Entscheidung und führt durchaus schon mal zu Missverständnissen bei einigen Anwendenden, die sich im Nachhinein im Kommentarfeld des Portals zu der jeweiligen Tour kritisch äußern oder während einer geführten Tour plötzlich doch nicht die geforderte Kondition oder Schwindelfreiheit aufweisen. Sinngemäße Kommentare bei leicht eingestuften Wandertouren wie z. B. „Tolle Tour, aber sie war auf keinen Fall leicht, für uns war sie sehr schwer und anspruchsvoll“ oder „die Metalltreppe mit den Gitterrosten ist nichts für Leute mit Höhenangst“. Gerade letztere Formulierung lässt einen weiten Interpretationsspielraum. Wo geht Höhenangst oder Schwindelfreiheit eigentlich los?

Grundsätzlich stelle ich persönlich immer wieder fest, dass es tatsächlich enorme Unterschiede bei den Bewertungen in Portalen geben kann, je nachdem, von wem die Tour vorgestellt oder angeboten wird. Das gilt auch für kommerzielle Wanderführer in Buchform von namhaften Verlagen.

Eine von irgendeinem Tourismusverband vorgestellte Wanderung kann beispielsweise als „anspruchsvoll“ oder „schwierig“ angepriesen werden, während die gleiche Tour von einem qualifizierten Autor (mit Schulung) im DAV-Portal oder von einem DAV-Wanderleiter als leicht eingestuft würde.

Das sollte zwar nicht vorkommen, wird aber nie zu verhindern sein, weil es natürlich immer zu einem hohen Maß auch subjektive Bewertungen sind. Jedoch dürfen wir nicht vergessen, dass ein Tourismusverband oftmals eine ganz andere Zielgruppe anspricht, nämlich auch die weniger trainierten und erfahrenen Urlauber, die im Rahmen ihres Aufenthaltes als Gelegenheitswanderer eine Tour unternehmen möchten. Wenn jene Gelegenheitswanderer oder aber Einsteiger/innen bei uns im DAV-Portal nach leichten Wander- oder Bergtouren suchen und fündig werden, kann es schon mal zu einer kleinen Überraschung führen, die mit einem kräftigen Muskelkater am nächsten Tag endet.

Ich wende mich nachfolgend unserem erstklassigen DAV-Portal zu, weil ich persönlich der Meinung bin, dass hier wirklich sehr objektive Bewertungen getroffen werden. Allerdings gilt es auch hier einen nicht unwichtigen Unterschied zu machen: Es gibt zum einen die bereits oben erwähnten Touren von geschulten offiziellen Autoren, zum anderen Touren aus der „Community“, also aus der breiten Masse, bei der jede/r nach einer Registrierung bei www.alpenvereinaktiv.com Touren einstellen kann sowie solche von Tourismusverbänden. So erkennt ihr die Touren im Internetportal:

  • an dem orangefarbenen DAV-Logo mit „alpenvereinaktiv.com“-Schriftzug (Word-Bild-Marke) für DAV-Autoren-Touren oder
  • am Outdooractive-Logo mit dem Schriftzug „Outdooractive Redaktion“ für Touren aus der normalen Community oder
  • am Schriftzug „Tourismusverband …“ entsprechend für Tourismusverbände

Leider resultieren auch hier einige erhebliche Unterschiede bei Bewertungen, so dass meine Empfehlung als Vertreter des DAV demzufolge nur lauten kann, möglichst auf unsere eigenen Tourenvorschläge zurückzugreifen. Meine persönliche Meinung ist, und das stelle ich deutlich heraus, dass für Touren aus dem Alpenvereins-Portal immer eine gewisse Grundkonditionierung vorausgesetzt werden sollte. Denn wir sollten uns einer Sache bewusst sein. Wenn wir zu schnell ein „schwer“ vergeben, was machen dann bei wirklich schweren Wanderungen? Wir tun jedenfalls unserer Interessengemeinschaft keinen Gefallen, wenn wir eine harmlose Wanderung von zehn Kilometern Länge auf guten Wegen zur weltberühmten Bastei in der Sächsischen Schweiz als schwer einstufen. Oder für einen Aufstieg über Treppen bzw. für den gut zu laufenden felsigen Untergrund des Rauensteins (gegenüber jener Bastei) „Trittsicherheit“ zu fordern verwirrt nicht nur gut konditionierte Wanderer, sondern lässt vielleicht sogar einen eher schlecht konditionierten Wanderer im fatalen Irrglauben, dass er einer schwierigen Wanderung gewachsen sei. Ein „sehr schwer“ o. ä. gibt es nämlich nicht und ist m. E. auch nicht nötig, denn zu jeder guten Tourenausschreibung bzw. Bewertung gehören ein aussagekräftiger Text mit einer Beschreibung der Tour bzw. des Wegverlaufs sowie ein paar aussagekräftige Bilder. Dieses Qualitätsmerkmal  (u. v. a.) unterscheidet unser Portal im Übrigen von manchen anderen zum Teil namhaften Tourenportalen.

Allerdings stellt dies für jede/n Autor/in bzw. Wanderleiter/in auch immer eine Gratwanderung dar. Denn wenn diese/r im umgekehrten Fall beispielsweise eine Bergtour fälschlicherweise zu leicht einstuft, kann das im schlimmsten Fall bedeuten, dass unerfahrene Menschen diese Tour in gutem Glauben nachlaufen und unterwegs plötzlich vor unerwartete Probleme gestellt werden.

Aber nun zu den Faktoren, die im Wesentlichen ausschlaggebend für Bewertungen sind. Sie stellen in ihrer Aufzählung keine Wertigkeit in der Reihenfolge dar. Jede/r von euch kann sich dann aufgrund des Hintergrundwissens möglicherweise besser ein eigenes Bild machen und sich bzw. geplante Touren nun optimal einschätzen.

Art der Tour

Grundsätzlich unterschieden werden Wanderungen, Winterwanderungen, Bergtouren, Klettersteige, Hochtouren, Mehrtageswanderungen und neuerdings auch Trailrunning. Ich werde hier grundsätzlich nur auf Wanderungen, Bergtouren, Winterwanderungen und kurz auf Klettersteige eingehen, denn Spezialdisziplinen setzen natürlich auch immer Spezialkenntnisse und individuelle Anforderungen voraus und sind ohnehin nicht für jede/n geeignet.

Hier erfolgt jedenfalls die erste grundlegende Unterscheidung, in welcher Spielart ich mich überhaupt bewege. Drastisch dargestellt: Wenn ich einen Winterwanderweg im Sommer begehe, werde ich feststellen, dass dieser nicht nur evtl. eher stupide und langweiligen Charakters ist, sondern auch ungleich leichter.

Spannend stellt sich aber eher die Abgrenzung dar, wo eine Wanderung aufhört und eine Bergtour beginnt. Endet die Wanderung an der Grenze vom subalpinen zum alpinen Bereich? Ist eine Tour durch kraxeliges Schrofengelände (**) eines 1600ers eine Bergtour? Eine klare Linie lässt sich da wohl nicht immer ziehen. Oder ist eine lange Bergtour mit einem darin enthaltenen Klettersteig immer noch eine Bergtour oder ein Klettersteig? Ist eine Sechs-Stunden-Wanderung in der Sächsischen Schweiz, bei der wir auch 20 Minuten durch die Häntzschelstiege (Klettersteig B) gehen und die ohne diesen eine mittelschwere Wanderung wäre, dann eine schwere Wanderung oder eher ein leichter Klettersteig? Hier zählt der überwiegende Charakter der Tour. Wie auch immer: Es ist die Pflicht des Bewertenden, sollte er/sie sie als (Berg)Wanderung deklarieren, ausdrücklich auf die Klettersteig-Passage und die erforderlichen Kenntnisse sowie die Ausrüstung hinzuweisen. Denn nicht jede/r ansonsten top konditionierte Wanderer/in ist klettersteigtauglich bzw. hat noch nie einen solchen absolviert. Je detaillierter eine Beschreibung, desto besser. Im Übrigen steckt hinter der jeweiligen Autoren-Entscheidung über die Klassifizierung einer Tour oftmals auch die Überlegung, unter welcher Vorauswahl im Suchfeld die Nutzer die Tour finden sollen.

Länge der Tour

Auch hier gibt es keine klare Abgrenzung, ab wann sich die Schwierigkeit ändert. Eine Zwanzig-Kilometer-Wanderung kann noch als leicht gelten, wenn sie keine nennenswerten Höhenmeter beeinhaltet, keine technischen oder körperlichen Ansprüche voraussetzt und auch sonst kein Gefahrenpotenzial in sich birgt (Flachland). Umgekehrt muss eine kurze Fünf-Kilometer-(Berg)Wanderung im Schrofengelände* und mit ausgesetzten Stellen (schwarze Wege) als schwierig gelten.

Allein die Länge einer Tour ist also nur bedingt aussagekräftig und muss im Zusammenhang mit anderen Faktoren (siehe nachstehend) beurteilt werden.

Auf- und Abstieg

Ebenfalls ein sehr subjektiver Faktor. Es gibt nämlich Höhenmeter und es gibt Höhenmeter. Das soll heißen: 500 Höhenmeter bei einer Wanderung in technisch leichtem Auf- und Abstieg auf Schotterwegen sind andere als solche auf felsigem oder wurzeligem Untergrund. Was im ersten Fall evtl. noch als leicht zu bewerten wäre, ist im zweiten Beispiel vielleicht schon mittelschwer. Aber ein weniger trainierter Gelegenheitswanderer würde auch die 500 Meter auf Schotterwegen als schwer empfinden.

Dauer der Tour

Grundsätzlich ergibt sich die Nettodauer (ohne Unterbrechungen) unter Zugrundelegung der DAV-Formel:

  • 4 km/Stunde in der Ebene
  • 300 m/Stunde im Aufstieg
  • 500 m/Stunde im Abstieg
  • Der kleinere Wert wird halbiert und zum größeren hinzugerechnet

Hier obliegt es den Bewertenden, nach eigenem Erfahrungsschatz und aufgrund individueller Besonderheiten der Tour ggf. „nachzubessern“.

geforderte Kondition

Diese resultiert aus der Länge sowie dem Auf- und Abstieg mit allen Besonderheiten bzw. aus der Gesamtdauer.

technischer Anspruch einer Tour

Durch welches Gelände führt die Tour? Findet sie auf ebenen und gut markierten Wegen statt? Oder ist der Untergrund wurzelig, steinig, felsig bzw. schrofig oder führt er (seilversichert) durch steiles eher geblocktes oder gar wegloses und unmarkiertes Gelände (auch steile Wald- und Wiesenhänge)? Oder sind Bachquerungen dabei?

geforderte persönliche Anforderungen

Konkretisierung zum technischen Anspruch der Tour, vor allem Faktoren wie Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, Orientierungsfähigkeit kommen hier zum Tragen.

Trittsicherheit beschreibt die Fähigkeit, sich beim Wandern und Bergsteigen sicher in unwegsamem Gelände fortzubewegen, insbesondere durch Erfüllung der koordinativen Anforderungen, die richtige Einschätzung der eigenen Kraftreserven sowie  durch die richtige Wahrnehmung und Beurteilung des Geländes.

Wenn im Alpenverein Schwindelfreiheit gefordert ist, dann ist tatsächlich eine über das normale Maß hinaus geforderte Schwindelfreiheit gemeint. Bei dieser Forderung werden von Hause aus übermäßig empfindliche Personen (Beispiel: Schwindel bereits bei hohen geländegesicherten Metalltreppen mit Gitterrost oder geländegesicherte Schluchtengänge auf Metallgittern) oder jene Menschen mit speziellen Krankheitsbildern nicht berücksichtigt. Der Begriff Schwindelfreiheit kann natürlich in einer Tourenbeschreibung auch noch weiter konkretisiert werden, (z. B. extrem schwindelfrei), selbst wenn der Begriff rein formal nicht zu steigern ist und man nicht „extrem schwanger“ sein kann.

Wenn eine gute Orientierungsfähigkeit gefragt ist, dann sollte ein über das normale Maß hinaus erweitertes Gespür für wegloses Gelände, Geländeformen, Bewuchs   und Liniensignaturen vorhanden sein sowie zusätzlich der Umgang mit topografischen Karten (Karte-Gelände-Vergleich), Kompass und Höhenmesser beherrscht werden (nicht nur auf das GPS-Gerät verlassen).

Gefahrenpotenzial

z. B. besonders steinschlaggefährdete Bereiche, hohe Ausgesetztheit, ungesicherte Bereiche, absturzgefährdete Bereiche, Gletscherspalten usw.

Auch hier sind durchaus Verschärfungen möglich (leicht ausgesetzt, stark ausgesetzt und extrem ausgesetzt). Beispiel: Einen schwarzen Weg im 45-Grad-Gelände gleichermaßen ausgesetzt zu nennen wie die Watzmann-Überschreitung würde letzterer nicht ganz gerecht werden.

gesonderte Sicherheitshinweise für die Tour

spezielle Hinweise, z. B. ob die Tour nordseitig ausgerichtet ist und bis in den Sommer bzw. dauerhaft Altschneefelder vorhanden sind oder vorhandene Steinschlagzonen bis hin zu Verhaltensweisen beim Zusammentreffen mit Herdenschutzhunden bei vorhandenen Schafherden usw. usf.

Beschreibung der Tour

Auf diese kommt es im Wesentlichen an. Je detaillierter diese ist, desto besser. Vor allem die Wegbeschreibung. Gibt es auf der Tour Orientierungsschwierigkeiten oder wegloses Gelände? Darin besteht der große Vorteil von www.alpenvereinaktiv.com im Gegensatz zu vielen anderen Portalen, bei denen lediglich Tracks und ggf. ein paar Bilder von spannenden Touren hochgeladen werden und die Nutzer blind dem Track nachlaufen.

Gesamtbewertung

Die Autoren bzw. Tourenführer/innen müssen anhand der Gesamtheit aller Umstände nun die richtige Bewertung abgeben.

Merke: Selbst wenn fast alle Faktoren eher als leicht einzustufen sind, kann allein ein einziges Merkmal ausreichen, um eine Einstufung als mittelschwer oder schwer zu rechtfertigen. Eine konditionell wie technisch völlig leichte Bergtour kann zur mittelschweren oder gar schweren Tour werden, wenn im Gipfelbereich beispielsweise die Orientierung wegen fehlender Markierungen und Weglosigkeit anspruchsvoll ist.

Wichtig: Witterungsbedingte Faktoren

Tourenbewertungen sind immer solche unter normalen Bedingungen erstellte. Faktoren, auf die die Bewertenden keinen Einfluss haben wie Regen (Nässe), Schnee, Nebel, Wind, temporär vorhandene Altschneefelder, Schnee- und Windbruch usw. verschärfen immer die Bewertung und müssen von (Berg)Wandernden unbedingt berücksichtigt werden. So manche leichte und vermeintlich harmlose Tour wird plötzlich zu einer schweren Tour, bei der der Zeitplan aus den Fugen gerät, Dunkelheit und Kälte hereinbricht sowie einhergehend Orientierungslosigkeit herrscht, was im Ergebnis lebensgefährlich werden kann. Und das kann bereits in den Mittelgebirgen der Fall sein.

Abschließend hoffe ich, die Komplexität von Tourenbewertungen anschaulich dargestellt zu haben. Das Ziel soll hierbei sein, dass spätere Anwender/innen, Kommentatoren/innen in Portalen oder aber auch angehende Teilnehmer/innen einer vom AlpinClub Berlin bzw. sonstigen angebotenen Tour ein besseres Hintergrundwissen erlangen und auch ggf. selbstreflektorisch daraus ihren Nutzen ziehen können.

Noch ein letzter Appell: Bitte lauft nicht „blind“ irgendwelchen unbereinigten Internet-Tracks nach, sondern recherchiert eure geplante Tour akribisch im Vorfeld. Seid vorsichtig in Portalen, in denen außer dem Track und ein paar unterdurchschnittlichen Bildern keinerlei Beschreibungen der Touren vorliegen. Dann steht einer schönen und sicheren (Berg)Wanderung nichts mehr im Wege.

(*) alpenvereinaktiv.com nutzt die Plattform von Outdooractive.com. Mehr Informationen zum Portal unter https://www.alpenvereinaktiv.com/de/ueber-uns.html

(**) Schrofengelände = Schrofen sind grasdurchsetzte Felshänge, der Fels ist häufig brüchig und in tieferen Regionen auch feucht. Schrofengelände findet sich häufig Zu- und Abstieg bei alpinen Kletterrouten, bei „Verhauern“ im weglosen Gelände oder beim Abstieg in unbekanntes Gelände. Die Rettung von Bergsteigern oder Wanderern, die sich in Schrofengelände verirrt haben, ist eine häufige Ursache für Bergrettungseinsätze. Steiles Schrofengelände birgt eine erhebliche Absturzgefahr. Es ist beim Bergwandern zu meiden. Im Rahmen von Kletterzustiegen ist höchste Konzentration in diesem Gelände unverzichtbar. Das sichere Begehen von Schrofen erfordert sehr viel Übung, Erfahrung und Konzentration.

(aus dem „Handbuch Ausbildung des Deutschen Alpenvereins“)

DCIM100GOPROGOPR1276.
seilversichertes Schrofengelände

DCIM100GOPROGOPR1283.
steiles Schrofengelände

Aufstieg auf den Taubenstein
Schrofengelände

Herbsttour durch das Tortal und das Rohntal im Karwendelgebirge

Wir besuchen wieder einmal das schöne Karwendelgebirge und machen eine wunderbare herbstliche Rundtour in einer beeindruckenden Landschaft unterhalb der schroffen Felswände der Östlichen Karwendelspitze (2537 m) und der Grabenkarspitze (2471 m).


Die Tour führt uns anfangs auf einem breiten Forstweg bis zur Toralm. Ab dort geht es auf schmalen, teils matschigen und schlüpfrigen Pfaden steil ansteigend zur Torscharte. Ab dem Kreuz unterhalb der Scharte herrscht ein reger Murmeltierbetrieb. Überall sind ihre grellen Pfiffe zu hören und wir entdecken zahlreiche dieser niedlichen Tierchen, die sich über die Sommermonate fettgefressen haben und sich schon bald zum Winterschlaf in ihren Bau zurückziehen.

Ab der Torscharte beginnt der sehr steile und anfangs rutschige Abstiegspfad in das malerische Rohntal. Im letzten Drittel des Abstiegs (ab der Alm) führt uns ein breiter Forstweg zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour.

Hier gibt´s den GPS-Track zur Tour:

Durch das Tortal und das Rohntal im Karwendelgebirge

Herbsttour auf das Satteljoch im Karwendelgebirge

Diese Bergwanderung eignet sich perfekt für einen schönen Herbsttag. Der anfangs über einen Forstweg und im Verlauf über leichte Bergpfade zu erreichende breite und grasige Gipfelbereich des Satteljochs (1935 m) bietet ein tolles Panorama über den großen Ahornboden in der Eng/Hinterriß sowie in weite Teile des Karwendelgebirges bis in den Alpenhauptkamm hinein. Mit etwas Glück entdecken wir neugierige Gämsen und Murmeltiere, sofern sich letztere noch nicht in ihren Bau zurückgezogen haben.

Hier geht es zur Tour mit GPS-Download:

Auf das Satteljoch im Karwendelgebirge

Aus Mittenwald über den Karwendelsteig auf die Westliche Karwendelspitze

Stramme Karwendel-Bergtour in der Mittenwalder Gebirgslandschaft für konditionsstarke und trittsichere Bergsteiger/innen

Während die meisten Bergfreunde mit der Karwendel-Kabinenseilbahn emporfahren, um im Anschluss auf dem Mittenwalder Höhenweg/Klettersteig weiter zu gehen, steigen wir ziemlich einsam zur Bergstation jener Bahn auf und erleben einen wunderbaren alpinen Steig, der uns durch die Steilschrofen des nordwestlichen Bergmassivs unterhalb der Westlichen Karwendelspitze führt. Ab der Mittenwalder Hütte sind Seilversicherungen und Aufstiegshilfen nicht zu üppig und meist nur an den trittärmsten Passagen vorhanden, so dass beim Aufstieg relativ große Anforderungen an die Eigenverantwortung im Begehen von Steilschrofengelände mit 45 Grad und mehr Geländeneigung gestellt werden. Weiterlesen „Aus Mittenwald über den Karwendelsteig auf die Westliche Karwendelspitze“

Durch das Höllental auf Deutschlands höchsten Berg

Die Zugspitze über den abwechslungreichsten Aufstiegsweg zu erklimmen ist keinesfalls eine normale Wanderung, sondern eher eine ziemlich anspruchsvolle Bergtour mit alpinem Klettersteig (C) für Bergerfahrene. Das Ziel übt eine fast schon magische Wirkung aus und fasziniert jedes Jahr Abertausende von Touristen aus aller Welt. Dabei ist der Rummel im Gipfelbereich eigentlich alles andere als einladend für Bergwanderer und Alpinisten. Was sind also die Gründe, die heftigen Strapazen des Aufstiegs mit rund 2200 Höhenmetern auf sich zu nehmen? Lest hier, was die Tour dennoch so lohnenswert macht:

Zugspitze über das Höllental

Traumhaftes Karwendel

Die Sommer-Wandersaison in den Alpen ist bald voll im Gang und unsere Reise führt uns diesmal in das Karwendelgebirge. Ob Karwendel-Durchquerung mit Hüttenübernachtungen, Tageswanderungen, die traumhafte Gratüberschreitung auf dem Mittenwalder Höhenweg oder Baden in wunderbaren Gebirgsseen – für jede und jeden ist hier das Richtige dabei.

Weiterlesen „Traumhaftes Karwendel“